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Ornaris Blog

BEREICH IM FOKUS: Dreidimensionale Grüsse

In Zeiten von Bildschirmen und digitalen Nachrichten sind hochwertiges Papier und persönliche Handschrift gefragter denn je. Drei Aussteller aus dem Bereich «Paper Planet» zeigen ihr Sortiment. Den Anfang macht «Hervorragend» mit fragilen Pop-Up-Karten aus fairer Produktion.

 

«Kirigami» ist eine Form der Origami-Falttechnik, bei der Papier zerschnitten und neu zusammengesteckt wird. Auf einem Markt in Vietnam entdeckte das Ehepaar Stefan und Simone Schüpbach gemeinsam mit Simones Eltern diese asiatische Papierkunst: Handwerkerinnen fertigten zierliche, zweidimensionale Formen, die sie schliesslich zu dreidimensionalen Objekten klappten. «Ich war sofort fasziniert von ihrer Fingerfertigkeit – selbst bin ich handwerklich unbegabt», schmunzelt Stefan Schüpbach.

 

 

 

Seit acht Jahren lässt seine Firma «Hervorragend» in Asien dreidimensionale Grusskarten produzieren, mit klassischen Motiven wie Segelschiffen oder Geburtstags-Cupcakes, aber auch lokalen Wahrzeichen wie das Zürcher Grossmünster, der Berner-Zytglogge-Turm oder die Luzerner Kapellbrücke. Komplex sei es, die Vorlage möglichst originalgetreu abzubilden und den Pop-up-Effekt beizubehalten, damit sich die Karte schliesslich flach in der Post versenden lässt. Zugeschnitten werden die winzigen Einzelteile heute mit Lasermaschinen, die dann in aufwändiger Handarbeit zusammengefügt und auf die Karte gebracht werden.

 

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Fair handeln

 

Laufend erweitert Stefan Schüpbach das Sortiment, etwa um handgemalte Mandalas oder Quilling-Karten. Bei Letzteren rollen die Produzentinnen kleine Papierstreifen mit einer Nadel auf und setzen diese Röllchen mit Leim zu aufwändigen Blumenmotiven oder Landschaften zusammen. «All unsere Techniken erfordern eine ruhige Hand und viel Geduld», sagt Stefan Schüpbach. Das Neuste im Sortiment sind sogenannte «Iris-Faltkarten», die aus dünnen übereinandergelegten Papierstreifen entstehen – der Linse einer Fotokamera ähnlich. Hergestellt werden diese von gehörlosen Frauen in Kambodscha, die in der dortigen Gesellschaft nur schwer Arbeit finden und ohne Arbeit häufig ausgeschlossen und diskriminiert werden.

Solche Projekte aufzubauen und zu unterstützen hat sich «Hervorragend» zum Ziel gemacht: Seien es arbeitslose Jugendliche in Kapstadt oder Frauen ohne höhere Ausbildung in Thailand. Insgesamt sind so bis zu 60 Arbeitsplätze entstanden. Dabei setzt Stefan Schüpbach auf fairen Handel und ebensolche Produktion. Weil Papierprodukte noch nicht von Organisationen wie Max Havelaar zertifiziert werden, macht er sich jeweils selbst vor Ort ein Bild über die Arbeitsbedingungen und festigt den persönlichen Kontakt zu den Herstellern. Auch in der Schweiz arbeitet er für die Konfektionierung der Karten sowie Lager und Logistik mit einer Sozialfirma zusammen, die Menschen mit psychischer Beeinträchtigung unterstützt. «Es ist wichtig, Verantwortung zu übernehmen, anstatt stets den eigenen Profit vor Augen zu haben», sagt er.

 

 

Aussteller: Hervorragend, Stand: A-12, Halle: 5

Text: Lilia Glanzmann, Bild: Damian Poffet